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Reisebericht Israel – 10-tägige Bildungs- und Begegnungsreise vom 18.10.-27.10.14

Offen gesagt: Einen Nachteil hat meine Reise nach Israel doch gehabt! Die Vorstellung vom Stall und der Krippe in Bethlehem wird mir – gerade jetzt in der Weihnachtszeit - nicht mehr so einfach gelingen! Bethlehem ist eine Stadt mit ca. 30 00 Einwohnern, und das Leben dort ist für die palästinensischen Einwohner alles andere als idyllisch. Doch lassen Sie mich der Reihe nach berichten! Am 18. Oktober ist unsere Reisegruppe in Tel Aviv gelandet und mit dem Bus weiter gefahren an den See Genezareth. Von dort aus haben wir vier Tage lang Ausflüge in die Umgebung gemacht. Der Jordan entspringt unweit des Sees, speist ihn mit seinem Wasser, und wir sind an seinen Ufern entlang gewandert. Manche von uns haben Jordanwasser abgefüllt und mit nach Hause genommen.

Entlang des Jordan haben sich ab dem beginnenden 20. Jahrhundert mehrere Kibbuzim gebildet. In dieser einmaligen, sozialistisch geprägten Lebensform haben die Menschen zusammen gelebt und gearbeitet und das Land urbar gemacht. Heute lässt das Interesse an dieser Gemeinschaft nach, die jungen Israelis möchten zunehmend weniger in einem Kibbuz leben und Alles mit Allen teilen.

Natürlich sind wir mit einem Boot über den See Genezareth gefahren, haben Bibelstellen gelesen, in denen beschrieben ist, wie die Jünger mit Jesus über den See gerudert sind, die Netze ausgeworfen haben zum Fischfang und wie Jesus dem aufkommenden Sturm Einhalt geboten hat. Wir haben vom Berg der Seligpreisungen aus auf den See geschaut, der in der fruchtbaren Ebene Galiläas liegt. Sogar geschwommen sind wir im See, das Wasser war ungefähr 25° warm, ähnlich wie die Außentemperatur. Überhaupt hatten wir wunderbares Wetter und immer blauen Himmel.

Überall am Ufer des Sees haben sich von je her christliche Gemeinschaften und Klöster niedergelassen, die sich heute für Völkerverständigung oder die Arbeit mit Behinderten einsetzen. Unweit von Kapernaum z.B. wohnen deutschsprachige Benediktiner-Mönche, die uns von ihrer Arbeit mit israelischen und palästinensischen behinderten Kindern berichtet haben.

Vom See Genezareth, der übrigens 200 m unter dem Meeresspiegel liegt, ist es nicht weit bis zu den Golanhöhen. Von dort aus sieht man die Grenze zu Syrien, einer der Stellen im Grenzverlauf, an der es immer wieder zu kritischen Situationen mit den feindlichen Nachbarn kommt.

Bei einer ungefähr 150 km langen Rundfahrt nach Westen ans Meer haben wir die Städte Akko, Haifa und auf dem Rückweg Nazareth besucht. In Akko hat sich schon der Apostel Paulus aufgehalten, im Mittelalter kamen die Kreuzfahrer und haben die Stadt zu einer Befestigungsanlage ausgebaut. Haifa ist eine moderne Stadt mit dem größten Hafen des Landes. Auf der Weiterfahrt nach Nazareth konnten wir in der Ferne den Berg Tabor sehen, dem ja Montabaur seinen Namen zu verdanken hat. Zum Abschluss dieses Tages hielten wir in der Verkündigungsbasilika in Nazareth inne. Sie steht über jener Höhle, in der der Erzengel Gabriel katholischer Überlieferung zufolge der Jungfrau Maria erschien.

Nach vier Tagen haben wir uns vom See Genezareth verabschiedet, um unser Quartier in Bethlehem aufzusuchen. Auf der Fahrt nach Süden immer am Jordanufer entlang (der Jordan bildet die Grenze zu Jordanien), wurde die Landschaft immer trockener und durch subtropische Obstplantagen (meist Dattelpalmenhaine) erreichten wir die Taufstelle Jesu am Jordan. Dieser Platz ist erst seit Sommer 2011 nach 42 Jahren wieder für die Öffentlichkeit frei gegeben worden. Außer uns waren dort vor allem russische Menschen, die im Jordan untergetaucht sind und ihre Taufe gefeiert haben.

Es ging weiter nach Jericho, der ältesten Stadt der Welt. Dort hat Jesus den Zöllner Zachäus vom Baum herunter gerufen und ist bei ihm eingekehrt. Heute steht Jericho unter palästinensischer Selbstverwaltung.

Von Jericho aus durch die Wüste ist es nicht mehr weit nach Jerusalem. Unsere erste Begegnung mit der Heiligen Stadt erlebten wir wie Pilger zu Fuß vom Skopus-Berg aus bis nach Gethsemane; danach reisten wir weiter nach Bethlehem, wo wir drei Nächte in einem christlichen Gästehaus wohnten.

Bethlehem ist, wie Jericho, palästinensisches Autonomiegebiet. Die Stadt ist mit Jerusalem zusammengewachsen, allerdings trennt eine Mauer die beiden Städte. Weil Anfang 2000 im Zuge der zweiten Intifada (Aufstand gegen Israel) die Anzahl der bei Terroranschlägen umgekommenen Israelis sprunghaft anstieg, wurde danach mit dem Bau einer Mauer begonnen. Trotzdem dürfen Israelis die Gebiete betreten. Palästinenser dürfen dies hingegen nur mit einer speziellen Erlaubnis der zuständigen Behörden, selbst wenn sie Einwohner einer der Ortschaften in dieser Region sind.

 

 

In Bethlehem haben sich einige europäisch-christliche Organisationen und klösterliche Gemeinschaften angesiedelt, die auch Schulen und Behinderteneinrichtungen betreiben.

Natürlich haben wir die älteste Kirche Palästinas, die Geburtskirche mit der Geburtsgrotte und die Katharinenkirche besichtigt und uns auf den Hirtenfeldern vorgestellt, wie die Verkündung der Geburt Jesu auf die Hirten gewirkt haben mag.

Der nächste Tag gehörte ganz Jerusalem. Es ist schon ein ganz besonderes Erlebnis, vom Ölberg aus auf die Stadt mit all den bekannten Gebäuden der Anbetung für die verschiedenen Religionen zu schauen. Der Felsendom mit seiner goldenen Kuppel, der daran erinnern soll, dass nach der islamischen Tradition Mohammed von diesem Felsen aus die Himmelfahrt angetreten haben soll, steht auf dem Tempelberg, wird allerdings nicht als Moschee genutzt.

 

Gebetet wird in der Al-Aksa-Moschee, der drittwichtigsten Moschee des Islam

Die Juden beanspruchen den Tempelberg deshalb für sich, weil hier ursprünglich der Salomonische Tempel und der nachfolgenden Herodianische Tempel standen. Die frühere Westmauer des zweiten Jerusalemer Tempels stellt heute die sog. Klagemauer dar. Sie ist 48 Meter lang und 18 Meter hoch. Täglich besuchen viele Menschen die Klagemauer, um zu beten. Viele stecken auch aufgeschriebene Gebete, Wünsche und Danksagungen in die Ritzen und Spalten der Mauer. Sie stellt für viele Juden ein Symbol für den ewigen, bestehenden Bund Gottes mit seinem Volk dar.

 

 

Am Abend dieses Tages besuchten wir einen Shabbat-Gottesdienst, auch das ein besonderes Erlebnis.

Am 8. Tag unseres Aufenthaltes in Israel unternahmen wir einen Abstecher in die judäische Wüste zum Toten Meer, dem tiefsten Punkt der Erde (das Tote Meer liegt 400 m unter dem Meeresspiegel). Bevor wir jedoch das obligatorische Bad im Salzwasser nahmen und uns anschließend eine „Ganzkörperpackung mit Totem-Meer-Schlamm“ verpassten, besuchten wir die ehemalige Festung Masada und Qumran. Mit der Seilbahn fuhren wir den Berg hinauf auf die Festung, die ca. 30 v. Chr. gebaut wurde und als uneinnehmbar galt.

1947 fand ein Beduine, der seine entlaufenen Ziegen suchte, in einer Höhle bei Qumran Handschriften, die vor 2 000 Jahren verfasst wurden und zum Beispiel Texte aus dem Buch Jesaja enthalten.

Nach der Rückkehr nach Jerusalem konnten wir unser Hotel in der Altstadt beziehen und von dort aus auch in die Basare der Stadt eintauchen.

Am Sonntagmorgen wurden wir von Kirchengeläut geweckt und man konnte meinen, man sei zu Hause in Deutschland! Kurz darauf erscholl allerdings der Ruf den Muezzin und die Wirklichkeit des Heiligen Landes hatte uns wieder. Wir folgten natürlich dem Ruf der Glocken und feierten zusammen mit anderen Christen einen deutschsprachigen Gottesdienst in der Erlöserkirche.

Danach starteten wir einen Rundgang am Zionsberg und betrachteten das (vermutete) Grab Davids, immer mit dem Blick auf den Ölberg. Selbstverständlich suchten wir die Grabeskirche auf, die sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu befindet. Wegen der vielen Menschen, die sich dort einfinden, wollte sich eine andächtige Stimmung allerdings nicht so recht einstellen.

 

 

Am Tag unserer Abreise erstanden wir noch ein paar Andenken in den Basaren, kauften frische Datteln oder tranken einen letzten frisch gepressten Granatapfelsaft. Mit vielen neuen Eindrücken und auch Erkenntnissen zu den politischen Gegebenheiten des Landes wurden wir zum Flughafen transportiert und landeten nach viereinhalb Stunden im herbstlichen Deutschland.

Möchten Sie noch den jüdischen Ursprung für ein paar deutsche Redensarten kennenlernen?

Wissen Sie, woher die Redewendung kommt, „… dass der Haussegen schief hängt“?

An den Eingangstüren der Häuser gläubiger Juden wird heute noch eine „Mesusa“ angebracht. Das ist eine Schriftkapsel am Türpfosten, die Segenssprüche enthält, die auf eine Stelle  im 5. Buch Mose zurückgehen, in der es heißt, „du sollst diese Worte auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Stadttore schreiben.“ Das besondere daran ist, dass diese Schriftkapsel schräg angebracht wird, und deshalb „…der Haussegen schief hängt.“

Wir kennen alle den Spruch „… über den Jordan gehen“.

Schon in biblischen Zeiten war der Jordan ein Grenzfluss - damals zwischen dem Gelobten Land der Israeliten und der "Außenwelt". Das gelobte Land ist eine Gabe Gottes an seine Kinder. Nachdem Mose gestorben war sprach Gott zu Josua: "… mache dich nun auf und zieh über den Jordan, du und das ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe“. Seit dem wurde in der religiösen Literatur der Einzug ins Gelobte Land umschrieben als Eintritt in das Himmelreich.

Und als letztes: Woher kommt der Wunsch zum Neuen Jahr „Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch“?

Das jüdische Neujahrsfest heißt „Rosch ha-Schana“. Viele jüdische Menschen in Deutschland haben jiddisch gesprochen und sich gegenseitig zum Neuen Jahr „Rosch ha-Schana“ gewünscht. Für deutsche Ohren waren diese Worte nur schwer verständlich und so hat sich nach und nach im Sprachgebrauch der „gute Rutsch“ eingebürgert.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen „guten Rutsch ins Neue Jahr“, bleiben Sie gesund!

 

Margot Gleim